Testosteronmangel – Hypogonadismus
Weniger Energie, nachlassendes Lustempfinden, Konzentrationsprobleme, Gewichtszunahme oder Stimmungsschwankungen: Viele Männer erleben ab dem 50. Lebensjahr Veränderungen, die nicht selten mit einem vermeintlichen Testosteronmangel begründet werden. Das trifft aber nur selten zu. In diesem Beitrag lesen Sie, wie sich Testosteronmangel bemerkbar macht, wodurch er entsteht, wie er behandelt wird und was Sie selbst tun können, um Ihr hormonelles Gleichgewicht zu unterstützen.
Testosteronmangel im Überblick
Was ist Testosteronmangel?
Mit zunehmendem Alter sinkt der Testosteronspiegel langsam, meist um etwa ein Prozent pro Jahr ab dem 40. Lebensjahr. Bei den meisten Männern bleibt er aber bis ins hohe Alter im normalen Bereich. Erst wenn die Konzentration deutlich unter die Norm fällt und gleichzeitig typische Beschwerden auftreten, sprechen Fachleute von einem klinisch relevanten Testosteronmangel oder Hypogonadismus.
Was ist Testosteron?
Testosteron ist das zentrale männliche Sexualhormon. Es wird hauptsächlich in den Hoden gebildet. Die Produktion wird über das Gehirn gesteuert, durch den Hypothalamus (Steuerzentrale für die Hormonproduktion) und die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse). Diese Hirnregionen senden Signale an die Hoden, die daraufhin Testosteron ausschütten.
Was bewirkt Testosteron im Körper?
Testosteron beeinflusst fast alle Körperfunktionen: Es steuert die Entwicklung der Geschlechtsorgane, fördert Muskelkraft, Knochendichte und Blutbildung, reguliert die Fettverteilung, steigert die Libido und trägt zu Energie, Selbstvertrauen und innerer Stabilität bei.
Wie hoch ist der normale Testosteronwert?
Einen festen normalen Testosteronwert gibt es nicht. Mediziner sprechen von Richtbereichen, da der Testosteronwert stark von Alter, Tageszeit, Lebensstil und anderen Faktoren beeinflusst wird.
Der Testosteronwert wird auf zweierlei Weise gemessen: als Gesamt-Testosteron und als freies Testosteron:
- Gesamttestosteron ist die Summe aller Testosteron-Moleküle im Blut. Dieser Wert liegt für erwachsene Männer typischerweise zwischen 12 und 35 nmol/l (3,5 bis 10,1 ng/ml). Ein Wert unter 8 nmol/l gilt als behandlungsbedürftig. In einem Bereich zwischen 8 und 12 nmol/l ist eine individuelle ärztliche Beurteilung entscheidend.
- Freies Testosteron ist die biologisch aktive, ungebundene Form des Hormons, die direkt in die Zellen eindringen kann. Das freie Testosteron ist daher der entscheidende Teil für die hormonelle Wirkung. Nur etwa ein bis drei Prozent liegen als freies Testosteron vor. Die Leitlinien sprechen bei Grenzwerten unter 220 pmol/l (6,35 ng/dl) für die Diagnose Testosteronmangel.
Testosteronmangel im Alter: Was die Wissenschaft sagt
Testosteron ist das zentrale männliche Sexualhormon. Es beeinflusst Muskelaufbau, Knochendichte, Blutbildung, Libido, Fettverteilung und psychisches Wohlbefinden. Der Testosteronspiegel erreicht seinen Höhepunkt in jungen Jahren und sinkt danach langsam.
Neuere Studien zeigen:
- Der durchschnittliche jährliche Rückgang des Gesamttestosteronspiegels liegt bei etwa einem Prozent pro Jahr ab dem 40.
- Die Blutkonzentration von biologisch aktivem Testosteron (freies Testosteron) nimmt etwas schneller ab, weil mit der alterungsbedingten Zunahme von Bindungsproteinen mehr Testosteron im Blut gebunden wird.
- Dennoch bleibt bei den meisten gesunden Männern der Testosteronspiegel bis ins hohe Alter im Normbereich.
Testosteronmangel im hohen Alter
Die Forschung der letzten Jahre hat sich intensiv mit einem Testosteronmangel, der erst im höheren Lebensalter auftritt (Late-onset Hypogonadism, LOH) befasst. Die wichtigsten Erkenntnisse lauten:
- Nur ein kleiner Prozentsatz älterer Männer erfüllt tatsächlich die Kriterien eines signifikanten Testosteronmangels (etwa zwei bis fünf Prozent der Männer über 60).
- Häufig liegt ein funktioneller, also sekundärer, Mangel vor. Das bedeutet, die Hormonachse zwischen Gehirn und Hoden ist durch andere Faktoren beeinträchtigt – beispielsweise durch Übergewicht, chronische Entzündungen, Schlafapnoe oder bestimmte Medikamente.
- Ein isolierter, altersbedingter Rückgang der Testosteronkonzentration ohne weitere Ursachen ist selten klinisch relevant.
- Eine Testosterontherapie verbessert die Lebensqualität nur dann nachweislich, wenn etwaige Symptome auch durch einen nachgewiesenen Testosteronmangel (Hypogonadismus) verursacht sind.
Daher gilt in der modernen Urologie: Nicht der Laborwert allein zählt, sondern das Zusammenspiel von Symptomen, Lebensumständen und Blutwerten.
Ursachen: Welche Formen des Testosteronmangels gibt es?
Testosteronmangel kann unterschiedliche Ursachen haben. Man unterscheidet drei Hauptformen:
- Beim primären Hypogonadismus liegt das Problem in den Hoden selbst. Sie können kein oder zu wenig Testosteron produzieren – etwa nach Entzündungen, Verletzungen, Operationen, Bestrahlung oder aufgrund genetischer Störungen.
- Beim sekundären Hypogonadismus funktioniert die Steuerung der Hormonproduktion über das Gehirn nicht richtig. Der Hypothalamus oder die Hypophyse geben zu wenig Signalhormone an die Hoden weiter – und die Hoden stellen die Testosteronproduktion ein.
- Der funktionelle Hypogonadismus ist die häufigste Form des Testosteronmangels. Bei dieser Form ist das Zusammenspiel zwischen Gehirn und Hoden grundsätzlich intakt. Es wird aber durch äussere Faktoren gestört. Diese Störfaktoren können sehr vielfältig sein. Zu den häufigsten Ursachen von funktionalem Testosteronmangel zählen Übergewicht, chronische Entzündungen, Schlafmangel, Stress, Diabetes oder die Einnahme bestimmter Medikamente.
„Testosteronmangel ist in den allermeisten Fällen gut behandelbar – oft sogar ohne Medikamente. In vielen Fällen reicht es aus, den Lebensstil zu verändern. Wir unterstützen Sie in jedem Fall dabei, die für Sie passende Form der Behandlung zu finden.“
Dr. med. Tilmann Möltgen, Facharzt für Urologie
Wie Testosteronmangel und Übergewicht sich gegenseitig verstärken
Testosteron und Körpergewicht sind bei Männern eng miteinander verknüpft. Medizinische Studien zeigen: Je höher der Anteil an Fettgewebe, besonders am Bauch, desto eher sinkt der Testosteronspiegel. Das liegt unter anderem an einem Enzym namens Aromatase, das im Fettgewebe besonders aktiv ist. Aromatase wandelt das männliche Hormon Testosteron in das weibliche Hormon Östradiol (ein Östrogen) um. Das hat zur Folge, dass mit zunehmendem Bauchfett immer weniger Testosteron zur Verfügung steht.
Gleichzeitig beeinflusst Testosteron den Stoffwechsel selbst: Es fördert den Aufbau von Muskulatur und verringert die Ansammlung von Körperfett. Gerät der Testosteronspiegel aus dem Gleichgewicht, steigt die Neigung zur Gewichtszunahme und zu einer ungünstigen Fettverteilung, besonders am Bauch. So entsteht ein Teufelskreis: Mehr Bauchfett senkt den Testosteronspiegel, der sinkende Testosteronspiegel wiederum erhöht die Fettansammlung. Dazu kommen Beeinträchtigungen des Zucker- und Fettstoffwechsels, die das Risiko für Typ-2-Diabetes und weitere Erkrankungen erhöhen.
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Symptome: Wie sich Testosteronmangel bemerkbar macht
Die Symptome eines Testosteronmangels entwickeln sich meist schleichend und sind unspezifisch. Häufig berichten Männer über eine zunehmende Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder Lustlosigkeit. Auch eine verminderte sexuelle Lust, Erektionsprobleme oder das Gefühl, körperlich „nicht mehr richtig in Schwung zu kommen“, sind typisch.
Weitere mögliche Anzeichen sind eine Abnahme der Muskelmasse bei gleichzeitigem Anstieg des Bauchfetts, Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit oder depressive Verstimmungen. Manche Männer leiden unter Schlafstörungen, Schwitzen, Hitzewallungen oder Konzentrationsproblemen.
Allerdings müssen diese Symptome nicht zwangsläufig mit einem Testosteronmangel zusammenhängen. Sie können auch durch andere Faktoren wie Stress, Bewegungsmangel, schlechte Ernährung, Alkohol, Medikamente oder chronische Erkrankungen verursacht sein. Erst die Kombination aus den beschriebenen Beschwerden und wiederholt erniedrigten Testosteronwerten im Blut erlaubt eine klare Diagnose. Weitere Informationen finden Sie hier: Aging Male: Wechseljahre des Mannes?
Wie Testosteronmangel behandelt werden kann
Wenn die Hoden dauerhaft zu wenig Testosteron produzieren oder die Steuerung der Hormonproduktion im Gehirn gestört ist, kann eine Testosteronersatztherapie (TRT) sinnvoll sein. Es gibt verschiedene Formen dieser Behandlung:
- Gele oder Pflaster, die täglich auf die Haut aufgetragen werden
- Depot-Spritzen, die alle 10 bis 14 Wochen verabreicht werden
- Implantate, die das Hormon über Monate freisetzen
Während der Behandlung sind regelmässige Kontrollen notwendig: unter anderem des Blutbildes, des Prostatawerts (prostataspezifisches Antigen, PSA-Wert) und der Leberfunktion. So lässt sich die Dosis individuell anpassen und das Risiko von Nebenwirkungen minimieren.
Wie wirksam ist eine Testosterontherapie?
Aktuelle wissenschaftliche Auswertungen, darunter ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2022, zeigen: Eine Testosterontherapie kann die Muskelmasse, Knochendichte und sexuelle Funktion moderat verbessern. Der Einfluss auf Lebensqualität und allgemeine Gesundheit ist jedoch begrenzt. Gleichzeitig sollte das mögliche Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, eine vermehrte Blutbildung oder Akne sorgfältig überwacht werden.
Daher gilt in der modernen Urologie: Eine Testosterontherapie ist nur dann sinnvoll, wenn tatsächlich ein nachgewiesener Mangel besteht und die Beschwerden damit zusammenhängen.
Testosteronmangel: Vorbeugung und Selbsthilfe
Gerade bei funktionellem Testosteronmangel erweisen sich Lebensstilveränderungen als besonders hilfreich. Dabei gibt es keine Patentrezepte. Vielmehr kommt es darauf an, die im Einzelfall bestmögliche Kombination von Massnahmen zu finden. Genau das ist der Anspruch, den wir in der Urologie Aarau verfolgen. Daher kooperieren wir in der Therapie von Testosteronmangel mit einem Netzwerk aus Life-Coaching, Ernährungsberatung, Fitnesstraining, Psychotherapie und anderen Disziplinen.
Zu den bewährten Selbsthilfe-Ansätzen gehören:
- Bewegung: Regelmässiges Training, besonders Krafttraining, steigert die natürliche Testosteronproduktion und wirkt positiv auf Stoffwechsel, Gewicht und Stimmung. Schon zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche bewirken einen Unterschied.
- Gesund essen: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Eiweiss, Vollkornprodukten und gesunden Fetten unterstützt den Hormonhaushalt. Stark verarbeitete Lebensmittel, Zucker und Alkohol dagegen wirken sich negativ aus. Auch Nährstoffe wie Zink, Magnesium und Vitamin D spielen eine Rolle. Eine gezielte Nahrungsergänzung ist aber nur bei nachgewiesenem Mangel sinnvoll.
- Gewicht reduzieren: Bauchfett ist hormonell aktiv und kann Testosteron in Östrogene umwandeln. Schon eine moderate Gewichtsabnahme von fünf bis zehn Prozent verbessert oft die Hormonwerte.
- Ausreichend schlafen: Testosteron wird vor allem im Tiefschlaf gebildet. Wer dauerhaft weniger als sieben Stunden schläft oder unter Schlafstörungen wie Schlafapnoe leidet, hat oft niedrigere Werte.
- Stress vermeiden: Chronischer Stress führt zur Ausschüttung des Stresshormons Cortisol, das die Testosteronproduktion hemmt. Entspannungstechniken, Meditation, Yoga oder regelmässige Pausen helfen, das hormonelle Gleichgewicht zu stabilisieren.
- Alkohol und Nikotin reduzieren: Beide Substanzen beeinträchtigen die Hormonbildung in den Hoden. Schon ein massvollerer Genuss kann sich positiv auswirken.
- Medikamente überprüfen: Einige Blutdruck- oder Schmerzmittel sowie Psychopharmaka können die Hormonproduktion beeinflussen.
Häufige Fragen zu Testosteronmangel
Ist ein niedriger Testosteronwert im Alter immer behandlungsbedürftig? Nein, viele ältere Männer haben niedrigere Werte, fühlen sich aber beschwerdefrei. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Wert und Symptomen.
Schadet Testosteronersatz der Prostata? Bei korrekter Diagnosestellung, richtiger Dosierung und fortlaufender Kontrolle gibt es bislang keinen Nachweis, dass die Therapie Prostatakrebs fördert. Besteht aber eine bekannte Prostataerkrankung, sind Kontrolle und Beratung besonders wichtig.
Wer sollte sich testen lassen? Männer mit anhaltender Erschöpfung, Libidoverlust, Muskelabbau oder anderen typischen Beschwerden, die durch Lebensstiländerung nicht gebessert werden, können eine Abklärung beim Urologen erwägen.
Ist Testosteron ein „Jungbrunnen“? Testosteron ist kein Wundermittel und kein „Jungbrunnen“. Die beste Vorsorge ist daher ein aktiver, bewusster Lebensstil – für Gesundheit, Kraft und gute Lebensqualität bis ins hohe Alter.
Wann Sie ärztlichen Rat suchen sollten
Testosteronmangel ist kein unvermeidliches Schicksal, sondern ein behandelbares Krankheitsbild. Nur wenige Männer entwickeln tatsächlich einen klinisch relevanten Mangel – und selbst dann stehen heute wirksame und sichere Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.
Wer bewusst lebt, sich regelmässig bewegt, ausreichend schläft und auf sein Körpergewicht achtet, kann die Testosteronproduktion meist stabil halten oder sogar verbessern. Sollte dennoch ein Hormonmangel bestehen, bietet die Urologie Aarau eine umfassende Abklärung und – falls nötig – eine individuell abgestimmte Therapie.
Prostatakrebs & Prostatavorsorge
Prostatakrebs ist die mit Abstand häufigste Krebsart des Urogenitaltraktes. Wegen der besonderen Bedeutsamkeit und der herausragenden Rolle der Prostatavorsorge haben wir die Informationen rund um die Erkrankungen der männlichen Vorsteherdrüse in einer eigenen Rubrik zusammengefasst.
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