Prostatavorsorge von PSA-Wert bis Gentest
Prostatavorsorge rettet Leben. Die Früherkennung von Prostatakrebs ermöglicht es, die häufigste Krebserkrankung von Männern mit hoher Wahrscheinlichkeit zu heilen – und grosses Leid zu ersparen. Dazu braucht es nicht viel: In den allermeisten Fällen verschaffen eine einfache Tastuntersuchung und ein PSA-Test Sicherheit. Auf dieser Seite informieren wir Sie über die gängigen Testverfahren der Prostatavorsorge – von PSA-Wert bis hin zu modernen Gentests.
Prostata: Vorsorge im Überblick
- Warum Prostatavorsorge so sinnvoll ist
- Prostatavorsorge in der Praxis Urologie Aarau
- Wann zur Prostatavorsoge gehen?
- Das Wichtigste über PSA-Test und PSA-Wert
- Prostatavorsorge: Der Proclarix-Risk-Score
- Neuer Gentest: Was ist der Stockholm-3-Test?
- Swiss ProstateCheckAPP und SWOP-Kalkulator
- Was passiert nach einem auffälligen Prostatakrebstest?
Warum Prostatavorsorge so sinnvoll ist
Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern weltweit, auch in der Schweiz. Etwa ein Fünftel der Fälle verläuft tödlich. Bei etwa 7.400 Neuerkrankungen pro Jahr (20 pro Tag) sterben in der Schweiz also jedes Jahr etwa 1.500 Männer an Prostatakrebs. Viele dieser Männer könnten noch leben, wenn der Krebs rechtzeitig entdeckt worden wäre. Denn in den frühen Stadien ist Prostatakrebs in aller Regel sehr gut behandelbar.
Zahl der Todesfälle durch Vorsorge halbieren
Schweizer Experten gehen davon aus, dass sich die Zahl der Todesfälle durch Prostatakrebs allein durch rechtzeitige Erkennung nahezu halbieren lässt. Gleichzeitig geht nur ein kleiner Teil der Männer zur Prostata-Vorsorge. Für die Schweiz gibt es keine aktuellen Zahlen. Nach Angaben einer grossen deutschen Krankenkasse nutzt lediglich gut ein Viertel (24 Prozent) der deutschen Männer die Angebote zur Prostatavorsorge. Bei uns dürften die Zahlen ähnlich aussehen.
Prostatavorsorge in der Praxis Urologie Aarau
Die Praxis Urologie Aarau bietet Ihnen das komplette Spektrum der Prostatavorsorge – von ambulanten Untersuchungen in der Praxis über PSA- und Gentests bis zu Biopsien oder anderer weiterführender Diagnostik im Spital. Sprechen Sie uns gerne jederzeit an: Kontakt
Wann zur Prostatavorsoge gehen?
Alle Männer sollten spätestens ab dem 50. Lebensjahr zur Prostatavorsorge gehen. Bei einem Fall von Prostatakrebs in der Verwandtschaft wird zur Vorsorge ab dem 45.Lebensjahr geraten, bei zwei Fällen sogar ab dem 40. Lebensjahr. Erste Schweizer Krankenkassen empfehlen die Prostatavorsorge bereits generell ab dem 45 Jahr. Die Kosten für die Vorsorge werden generell von der Krankenkasse übernommen.
Lohnt sich Prostatavorsorge auch für ältere Männer?
Prostatakrebs entwickelt sich meist sehr langsam. Daher gilt, dass Männer von einer Prostatakrebsbehandlung meist nur dann profitieren, wenn ihre Lebenserwartung noch bei wenigstens zehn bis zwölf Jahren liegt. Unterhalb dieser Lebenserwartung steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Männer sich den Nebenwirkungen der Diagnostik und Behandlung unnötig aussetzen. Allerdings gibt keinen klaren Altersgrenzwert: Je fitter und gesünder ein Mann ist, um so länger sollte er auch die regelmässige Prostatavorsorge weiterführen.
Das Wichtigste über PSA-Test und PSA-Wert
Neben der rektalen Tastuntersuchung der Prostata ist der PSA-Test die wohl bekannteste Form der Prostatavorsorgeuntersuchung. PSA ist die Abkürzung für prostataspezifisches Antigen. PSA ist ein Eiweiss (Protein), das von der Prostata produziert wird. Der PSA-Test ist ein einfacher Bluttest, der den PSA-Gehalt im Blut bestimmt. Ein erhöhter PSA-Wert kann auf Prostatakrebs hinweisen, aber auch auf andere Erkrankungen wie Entzündungen oder gutartige Vergrösserungen der Prostata.
Was sagt der PSA-Wert aus?
Der Nutzen des PSA-Tests liegt darin, Männer bei niedrigen PSA-Werten schnell und einfach beruhigen zu können – und nur die Fälle weiter abzuklären, bei denen anhand des PSA-Wertes keine Entwarnung gegeben werden kann. Vor allem hilft die regelmässige Prostatavorsorge, Prostatakrebs in einem frühen Stadium zu erkennen, wenn die Heilungschancen noch gross sind. Die Früherkennung durch den PSA-Test kann also Leben retten, da Prostatakrebs im Anfangsstadium oft keine Symptome verursacht und deshalb unbemerkt bleibt.
Wie hoch ist der normale PSA-Wert?
Der PSA-Wert wird in Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) gemessen. Einen Grenzwert für die PSA-Konzentration im Blut gibt es nicht. Dennoch kursieren immer wieder Angaben über PSA-Werte nach Altersgruppen, die aber nur begrenzte Aussagekraft haben. Prinzipiell gilt: Je niedriger der PSA-Wert, um so unwahrscheinlicher ist Prostatakrebs. Bei ca. 90 Prozent der Männer in der Risikogruppe im Alter zwischen 55 und 75 Jahren kann das Risiko für Prostatakrebs allein durch den PSA-Test nahezu ausgeschlossen werden. Ein Wert über 3 ng/ml kann auf Prostatakrebs hinweisen, bedeutet aber nicht, dass ein Krebs vorliegen muss. Deshalb ist bei PSA-Werten über 3 ng/ml eine weitere urologische Abklärung zu empfehlen.
Wie sicher ist der PSA-Test?
Ein erhöhter PSA-Wert ist kein Beleg für Prostatakrebs, sondern lediglich ein Hinweis darauf, dass weitere Untersuchungen sinnvoll erscheinen. Vielmehr gibt es eine ganze Reihe von Ursachen für erhöhte PSA-Werte. Dazu gehören unter anderem:
- Harnblasen- oder Prostataentzündungen (Prostatitis)
- Gutartige Vergrösserung der Prostata (benigne Prostatahyperplasie): Die Prostata wächst im Laufe des Lebens und produziert mit zunehmender Grösse entsprechend mehr PSA. Deshalb haben ältere Männer oft höhere PSA-Werte.
- Mechanische Belastungen der Prostata, beispielsweise durch Sport, Radfahren oder Prostata-Untersuchungen
- Samenerguss und sexuelle Aktivität regen den Stoffwechsel der Prostata an. Deshalb sind die PSA-Werte noch Tage nach einem Orgasmus erhöht.
Prostatavorsorge: Der Proclarix-Risk-Score
Proclarix ist ein neuartiger diagnostischer Test, der von Wissenschaftlern der ETH Zürich entwickelt wurde. Nach Angaben der Hersteller besteht der Hauptvorteil des Proclarix-Testes darin, dass er dabei helfen kann, unnötige Gewebeentnahmen (Schmerzen, Komplikationen) zu vermeiden.
Für die Risikoanalyse misst der Proclarix-Test die Blutkonzentration neuer Biomarker wie Thrombospondin-1 (THBS1) und Cathepsin D (CTSD), die im Zusammenhang mit Prostatakrebs stehen. Die Messwerte werden anschliessend mit klinischen Daten abgeglichen und für jeden Test ein individueller Risikowert ermittelt, der Proclarix-Risk-Score.
Neuer Gentest: Was ist der Stockholm-3-Test?
Ein anderes neues Testverfahren in der Prostatavorsorge ist der Stockholm-3-Test. Er wird auch als Stockholm3- oder STHLM3-Test bezeichnet. Mit diesem Test ist es möglich, das individuelle Risiko für eine Prostatakrebserkrankung genauer zu bestimmen als mit den bisherigen Testverfahren. Damit kann der Test nach Angaben der Hersteller dazu beitragen, unnötige Gewebeentnahmen (Biopsien) und MRT-Untersuchungen zu vermeiden.
Wie funktioniert der Stockholm-3-Test?
Der Stockholm-3-Test kombiniert – noch umfassender als der Proclarix-Test – eine ganze Reihe von Messwerten. Dazu gehören unter anderem der PSA-Wert und weitere Eiweisse sowie mehr als 100 genetische Varianten. Diese Messwerte werden gemeinsam mit persönlichen Daten aus der Anamnese wie Alter oder Vorerkrankungen ausgewertet. Mehrere Studien belegen, dass die Kombination von PSA-Test und Stockholm-3-Test die Zahl der unnötigen Biopsien um 76 Prozent reduzieren konnte (im Vergleich zu einem alleinigen PSA-Test).
Swiss ProstateCheckAPP und SWOP-Kalkulator
Online-Anwendungen wie die ProstateCheck-App der Stiftung Prostatakrebsforschung Schweiz oder der SWOP-Kalkulator helfen Medizinern, das Risiko für Prostatakrebs einzugrenzen. Die Auswertung der digitalen Fragebögen kann nach Einschätzung von Experten dazu beitragen, die die Hälfte der jährlichen PSA-Testungen und 30 Prozent der Prostata-Biopsien einzusparen.
Was passiert nach einem auffälligen Prostatakrebstest?
Sollte das Ergebnis für eine Erkrankung an Prostatakrebs sprechen, schliessen sich weitere diagnostische Untersuchungen an. Dazu zählen unter anderem:
Transrektaler Ultraschall (TRUS):
Über den After wird eine Ultraschallsonde bis an die Prostata geführt, um die Vorsteherdrüse und das umliegende Gewebe zu untersuchen.
Multiparametrische Magnetresonanztomographie:
Die multiparametrische Magnetresonanztomografie (mpMRT) ist ein sehr genaues bildgebendes Verfahren. Das mpMRT wird in einer radiologischen Praxis oder einem Spital erstellt. Es zeigt nicht nur Grösse und Lage eines möglichen Prostatatumors, sondern erfasst auch Details wie beispielsweise die Entfernung zum Schliessmuskel oder zu den Erektionsnerven. Idealerweise werden in der mpMRT auch gleich die Abflusswege der Lymphknoten beurteilt. Unauffällige Lymphknoten erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass ein Tumor nur auf das Organ begrenzt ist. In Kombination mit der Untersuchung einer Gewebeprobe dient das mpMRT dazu, die passende Therapieform zu wählen.
Gewebeentnahme (mpMRT-TRUS-Fusionsbiopsie):
Aus den Einzelbildern der mpMRT wird mit einer Spezialsoftware ein dreidimensionaler Datensatz errechnet. Dieser dient als Planungsgrundlage für eine gezielte Gewebeentnahme aus den auffälligen Arealen. Nicht alle MRT-Geräte liefern die richtigen Rohdaten für diese Software. Daher sollte das mpMRT durch einen Urologen angemeldet werden, damit gleich die richtigen Bilder angefertigt werden.
„Egal welches Verfahren oder in welcher Praxis: Ich empfehle allen Männern ab 45 Jahren dringend, die Prostatavorsorge zu nutzen. Es geht einfach. Es geht schnell. Nutzen Sie diese Chance: denn Prostatavorsorge rettet Leben.“
Dr. med. Andreas Sauer, Facharzt für Urologie
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